Sie sind hier: Startseite » Alte Neustadt ab 1990

Der Stadtteil Magdeburg- Alte Neustadt ab 1990 - bis 2013 (unvollständig)

Der Zusammenbruch der DDR und die friedliche Wiederherstellung der Einheit Deutschlands brachten für die Bewohner von Alte Neustadt bedeutende Veränderungen im Alltag und im  gesellschaftlichen Zusammenleben, die aber nachfolgend nur andeutungsweise und nicht vollständig aufgeschrieben werden können.

Es begann mit großem Freudentaumel der Menschen auf beiden Seiten Deutschlands, als die Grenzen geöffnet wurden. Lange Autokolonnen bewegten sich auf der Autobahn in Richtung Westen, vorbei am ehemaligen Grenzkontrollpunkt Marienborn, und das ohne jede Kontrolle.Wildfremde Menschen umarmten sich, die Bilder gingen über die Fernsehsender in alle Welt.

             *
Die ersten Tage und Wochen. Da beschloss die Bundesregierung, jedem DDR-Bürger 100.00 DM sogenanntes Begrüßungsgeld zu zahlen. Unbürokratisch, nur bei Vorlage des Personalausweises der DDR, zahlten in den grenznahen Regionen der BRD die Banken, Postämter und wer sonst noch das Geld aus und prompt setzte ein Ansturm auf die Geschäfte und Supermärkte ein. Bis zum letzten Pfennig setzten die Leute alles in Ware um, sehr zu Zufriedenheit der westdeutschen Händler. Die 100 DM Begrüßungsgeld blieben also "drüben". In unserem Stadtteil wurde dieser Einkaufs-Boom am Bahnhof Neustadt deutlich sichtbar. Immer, wenn ein Zug aus Helmstedt, Braunschweig oder Hannover einlief, verließen schwer tragende Frauen und Männer den Bahnhof, um mit ihren "Schätzen" nach Hause zu eilen.

*

Das "Amt für Arbeit" wurde gegründet. Sehr bald spürten die Menschen auch andere Seiten der neuen Zeit. An der Walther-Rathenau-Straße, in dem Gebäude der ehemaligen Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit, zogen die Angestellten des neu gegründeten Arbeitsamtes ein. Täglich wurden es mehr Arbeitslose, die sich dort meldeten, um das ihnen zustehende Arbeitslosengeld zu beantragen oder um Arbeit nachzusuchen. Doch die gab es immer weniger, wie sich das auch in Alte Neustadt deutlich zeigte. Hier wurden zahlreiche Unternehmen "abgewickelt", wie man das damals nannte, so u.a.:Das Autobahnbau-Kombinat in der Agnetenstraße (siehe Foto):

                                      Foto H.Mittank, 2010

Das Bau-und Montage-Kombinat (BMK) in der Rogätzer Straße
Die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) in der    Sieverstorstraße
Das Fenster- und Türwerk in der Rogätzer Straße
Der Handelshafen in der Wittenberger Straße 17 wurde allmählich zurückgebaut, um dann endgültig die Arbeit einzustellen
Das Polytechnische Zentrum in der Sandtorstraße sowie mehrere Kleinunternehmen und Gewerbebetriebe

Große Unternehmen blieben nur wenige in Alte Neustadt erhalten, so z.B.:
Die Magdeburger Mühlenwerke in der Schartaustraße
Das Kaffeewerk "Röstfein" in der Hafenstraße 8

 

                               Foto H.Mittank, 2010

 

*

                         Neugründungen 

Neu entstanden unmittelbar nach der Wende in Alte Neustadt, vor allem:
   Versicherungsagenturen
   Steuer-, Rechts- und Finanzberatungen
   Reisebüros
   Kreditinstitute
   Autohäuser und Gebrauchtwagenhandlungen 

Das zuletzt Gesagte macht deutlich, wie sehr sich der Straßenverkehr und das gesamte Straßenwesen hier in Alte Neustadt veränderte. Das während der DDR-Zeit  langjährige Warten auf ein neues Auto war zu Ende; jeder konnte in Autohäusern sowohl neue als auch gebrauchte Fahrzeuge sofort kaufen, zum größten Teil jedoch im Kreditkauf. In den ersten Jahren nach der Wende trat der Zustand ein, dass nun nicht mehr benötigte Autos (Ostmarken) als Wracks an den Straßenrändern herumstanden. Von den städtischen Behörden sind dann "rote Karten" an den Wracks angebracht worden, bevor man diese dann zum Verschrotten abschleppte. Die ehemaligen Besitzer wollten damit die Kosten für die Verschrottung sparen.

Das Straßennetz wurde ausgebaut. Im Rahmen der Maßnahmen der Bundesregierung zum "Aufbau Ost" spielte der Ausbau des Straßennetzes, vor allem das der Autobahnen, eine gewichtige Rolle. In erforderliche Reparaturen und in den Neubau von Straßen flossen Millionenbeträge. Im Stadtteil wurden u.a. folgende Projekte verwirklicht:

   Der Bau eines Tunnels am Askanischen Platz
   Der Bau eines Tunnels am Universitätsplatz
   Der Neubau der Jerusalembrücke über die Elbe
   Der Neubau der Friedensbrücke über die Alte Elbe

 Blick auf die neue und die sanierte Friedensbrücke,  Foto H.Mittank 2011

   Die komplette Sanierung der beiden "alten" Brücken
   Die Einrichtung "Tempo 30" auf allen Nebenstraßen
   in der Alten Neustadt
   Die Einrichtung von Kreisverkehr an folgenden        
  
Plätzen:
   Pfälzer Platz, Wittenberger Platz, Bötticher Platz und
   im ehemaligen Handelshafen
   
Bau einer neuen Straße zwischen Wittenberger Str.   
   und Saalestraße (Kozlowskistraße)
   Die Verlängerung der Peter-Paul-Straße bis zur
   Kozlowskistaße 
   Der Bau einer neuen Eisenbahnbrücke über die 
   Lüneburger Straße mit ICE-Niveau (siehe Foto)

                *     

                Vom Wohnen in Alte Neustadt
Für diesem. für die Bürger bedeutsamen Bereich, änderte sich ebenfalls sehr vieles. So gründeten sich Wohnungsbaugenossenschaften, welche nach der Wende die Wohneinheiten der ehemaligen AWG übernahmen und nun auf marktwirtschaftlicher Basis arbeiteten. Das sind in Alte Neustadt vor allem:
Die Wohnungsbaugenossenschaft eG Stadtfeld (WBG): (siehe Foto)


Die Magdeburger Wohnungsbaugenossenschaft (MWG)
Die Magdeburger Wohnungsbaugesellschaft (WOBAU)
Die Wohnungsbaugenossenschaft Post und Energie.

Mit der Übernahme der Wohnungen stiegen auch die Mietpreise, wobei die Mieten der Genossenschaften und der WOBAU etwas unter denen der privaten Vermieter liegen.

         Die komplexe Sanierung der Häuser
Unmittelbar nach der Wende begannen die Eigentümer und Genossenschaften mit der Sanierung ihrer Häuser. Am Anfang standen die Innensanierungen einschließlich der Auswechslung der Fenster im Focus, um die während der letzten DDR-Jahre vernachlässigten Wohn-
qualitäten kurzfristig für die Mieter zu erhöhen.

Der nächste Schritt war dann die Außensanierung. In den vergangenen Jahren entstand damit ein sehr buntes Bild unseres Stadtteils und reicht bei den farbigen Fassadendämmungen vom hellen Weiß bis hin zum dunklen Rotbraun. Buntheit der Häuser löste den ehemaligen tristen Grauputz ab.

Das "Tintenfass" in der Wittenberger Straße, Foto H.Mittank,2010

     Der Neubau von Wohnraum im Stadtteil
Nach der Wende entstand neuer Wohnraum und zwar in folgenden Gebieten unseres Stadtteils:
Eine Stadtvilla in der Richard-Wagner-Straße
Mehrere Häuser an der Beethoven-Straße/Kaiser-Otto-Ring
Zwei Wohnhäuser am Kaiser-Otto-Ring/Bachstraße
Das Gästehaus des Max-Planck-Institut
Ein Wohnhaus an der Agnetenstraße (Südseite)
Ein Ärztehaus an der Agnetenstraße (Nordseite)
Eine Wohnsiedlung zwischen der Stendaler Straße/   Tangermünder Straße/Ottenbergstraße und Salzwedeler Straße
Eine Wohnsiedlung an der Weinbergstraße (Nordseite)
  Die Wohnsiedlung in der Weinbergstraße, gebaut von der Firma Epperlein                                           Foto H.Mittank, 2014

Das Stadthaus, das Gartenhaus und das Eckhaus,
gebaut von der MWG (Letzlinger Straße) an der
Weinbergstraße/Küferstraße                                    
      

Vier

              Die Neubauten der MWG Ecke Küferstraße/Endelstraße
                                     Foto H. Mittank 2014

Wohnhäuser an der Moldenstraße/Peter-Paul-Straße, gebaut von der MWG Lertzlinger Straße 5

           

 Der "Städteumbau Ost"

Die Entwicklung des Wohnungswesens führte zu einem großen Leerstand von Wohnungen, auch in unserem  Stadtteil. Zur Vermeidung von unnötigen Kosten ging man dazu über, Wohnhäuser abzutragen. Das waren in Alte Neustadt u.a.:
Die Westseite der Hafenstraße zwischen der Rogätzer Straße und der Deneckestraße. Auf der Fläche der abgerissenen Häuser entstand das Sportgelände für das Werner-von-Siemens-Gymnasium.

Das Wohnhochhaus Agnetenstraße 21. Auf diesem Standort errichtete Frau Scharlach in einem Neubau einen Friseursalon

     Frisörsalon Scharlach-hier stand das Wohnhochhaus, Foto H.Mittank

Das achtgeschossige Wohnhaus (72 Wohnungen) in der Agnetenstraße 24. Dort will die WOBAU Magdeburg ein neues Wohnhaus bauen

Agnetenstraße 24 wird abgetragen, Foto H. Mittank,2010

Das ehemalige Internat der Pädagogischen Fachschule in der Moldenstraße, an deren Stelle nach dem Abriss vier Häuser mit 24 Wohnungen von der MWG Magdeburg gebaut wurden

Die Baracke des ehemaligen VEB-Fischhandel, (später eine Gaststätte), am Otto-Kaiser-Ring. Dort werden mehrere Einfamilienhäuser gebaut

Abbruch des fünfgeschossigen Wohnhauses in der Lüneburger Straße 22 wegen Einsturzgefahr

Lüneburger Straße 22, vor dem Abriss, Foto H. Mittank 2013

Abriss des Jugendklubs an der Peter-Paul-Straße, wo die WBG Stadtfeld eG den Neubau von Einfamilienhäusern plant

Aufgabe des Sportplatzes der Nordparkschule. Auf diesem Territorium wird die MWG in den nächsten Jahren eine Wohnsiedlung errichten

Abriss der ehemaligen Kaufhalle "Am Weinberg" und Neubau von drei großen Wohnhäusern durch die MWG

 

     Vor dem Abriss der "Spar-Kaufhalle", vorher HO-Kaufhalle. Foto Hom

In der Weinbergstraße sind auf der Nordseite mehrere alte Häuser abgetragen worden. Darauf baute die Firma Epperlein 9 Einfamilienhäuser

Das Firmengelände Sporkenbach in der Ottenbergstraße wurde aufgegeben. Dort entstanden mehrere Einfamilienhäuser. Neun davon an der Stendaler Straße durch die Firma Epperlein

                                          

Der Wissenschaftshafen

Der Handelshafen in der Wittenberger Straße 17 war einer der größten dieser Art in der DDR. Nach der Wende begann man den Industriehafen auszubauen, wodurch der Handelshafen an Bedeutung verlor. Die Arbeiten wurden eingestellt und der Hafen stillgelegt.
In der Folge siedelten sich im ehemaligen Handelshafen neue Institutionen an und man prägte den Begriff "Wissenschaftshafen".

Projekte im Wissenschaftshafen (und angrenzend) sind:
Das Max-Planck-Institut in der Sandtorstraße
Das Fraunhofer Institut in der Sandtorstraße 22
Die Experimentelle Fabrik in der Sandtorstraße 23
 

           Die Experimentelle Fabrik, rechts das Fraunhofer Institut,
                                  Foto H. Mittank, 2010

Die Denkfabrik, entstanden aus dem "Silo Ost"
Das  VDTC (Virtual Development and Training) an der Fraunhoferstraße
Das "Elbe-Office" (Anhaltische Anlagen-und Verfahrens-
GmbH), Werner-Heisenberg-Straße 33

Galiiileo

            Das Elbe-Office im Wissenschaftshafen, Foto H. Mittank

Das Testfeld Sachsen-Anhalt (Einrichtung der Otto-von-Guericke-Universität), Werner-Heisenberg-Straße 36
Institut für Automatisierung u8nd Kommunikation (ifak) im Gebäude der Denkfabrik (Einrichtung der Otto-von-Guericke-Universität
Die "Elbe-Bottwerft", v.a. Bau von Hausbooten, Niels-Bohr-Straße
Die MISB GmBH, Nielsw-Bohr-Straße 46

Das Schiffsmuseum und Technische Denkmale im Wissenschaftshafen
Saniert
wurde der Kettenraddampfer "Gustav Zeuner", der im Norden des ehemnaliogen Handelshafen als Museum "vor Anker" liegt

                    Die "Gustav Zeuner", Foto H.Mittank, 2011

Als Museumsschiffe liegen im Hafenbecken ein altes Tauchschiff und weitere restaurierte Schiffe
Als Technisches Denkmal wurde die stillgelegte Hubbrücke eingestuft. Sie kann jetzt im abgesenkten Zustand auch für den Elbradweg genutzt werden
Der Verein der Eisenbahnerfreunde hat (noch) seinen Sitz im Wissenschaftshafen. Die von ihnen sanierten Lokomotiven und Waggons stehen als Museum auf den Schienen der ehemaligen Hafenbahn
Vom Hafenverein sind eine große Anzahl Krane saniert worden, die rings um das Hafenbecken aufgestellt sind und besichtigt werden können

 

Einer der zahlreichen Krane, Foto H. Mittank, 2010

 

 Henning von Tresckow-Stele      2001 am Nordpark aufgestellt

Anlässlich vom 100. Geburtstag des Widerstandskämpfer und Mitorganisator des Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944, General Henning von Tresckow, wurde ihm zu Ehren am Rande des Nordparks, ganz in der Nähe der nach ihm benannten Straße, eine Stele aufgestellt. Jedes Jahr finden an dieser Stelle am 20. Juli Gedenkveranstaltungen und Kranzniederlegungen statt. Trescko wurde am 10. Januar 1901 in Magdeburg als Sohn einer pommerschen Adelsfamilie geboren. Er folgte den preußisch-militärischen Traditionen seiner Familie. Nach der Machtergreifung der Nazis erkannte er sehr bald den wahren Charakter der militärischen Strategie Hitlerdeutschlands und stellte sich mehr und mehr auf die Seite der Gegner Hitlers. Er nahm an mehreren Attentaten auf Hitler teil, die alle fehlschlugen. An der Vorbereitung des Attentats am 20. Juli 1944 war er an der Seite des Oberst von Stauffenberg massgeblich beteiligt,konnte sich aber nicht unmittelbar an der Ausübung des Attentats beteiligen. Als er an der Ostfront hörte, dass das Attentat fehlgeschlagen war, nahm er sich das Leben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die aufgestellte Stele am Rande des Nordparks, Foto H.Mittank 2001

 

 

 

Die Sieverstorstraße

Die Sieverstorstraße wurde zu DDR-Zeiten im Volksmund "Handwerkerstraße" genannt. Es hatten sich zahlreiche Handwerke und Kleinbetriebe angesiedelt und der VEB Technische Gebäudeausrüstung baute ein großes Verwaltungsgebäude. Die "Börde Brauerei", ehemals Bodensteiner Brauerei (seit 1823) produzierte große Mengen Magdeburger Biere.

Doch mit der Wende begann der Zerfall der Wohnhäuser und der Betriebe, so dass ab 2001 fast die gesamte Straße (ab Kolpinplatz bis Stendaler Straße)eine Straße ohne Leben geworden ist. Selbst das Brauereigelände steht seit vielen Jahren verwahrlost, der Sudturm zerfällt. Niemand weiß, wie es weiter gehen soll! 

 

 

 

 

 

 

 

 


 
www.gratis-besucherzaehler.de/